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Ein Flussufer der Lippe

100.000 Aale für die Lippe

Öffentlicher Besatztermin am 08.07.2026 (10:30 - ca. 12.00 Uhr) in Hamm

(Landschulheim Schloss Heessen, Schlossstraße 1, 59073 Hamm)


Der Landesfischereiverband Westfalen und Lippe e.V. wird am Mittwoch, den 08.07.2026 (10:30 Uhr) eine weitere Aal-Besatzaktion in der Lippe in Hamm durchführen. Unterstützt wird die Aktion durch die Initiative zur Förderung des Europäischen Aals e.V. (IFEA – ESF), den Lippeverband, die Sparkasse Hamm, Angelvereine und Fischereigenossenschaften, die sich mit großzügigen Spenden am Kauf der Aale beteiligen und einen so großen Besatz erst ermöglichen. Beim Besatz behilflich sind zum ersten Mal Schüler*innen des Landschulheims Schloss Heesen. Die Besatzaktion ist ein weiterer Beitrag im Rahmen der Schutzbestrebungen der Europäischen Aalverordnung zur Wiederauffüllung der Aalbestände. Insgesamt sollen an diesem Tag ca. 50.000 junge Aale ausgebracht werden. Bereits im vierten Jahr findet die Aktion mit einer vergleichbaren Besatzfischmenge statt. Somit könnte die Aktion ab sofort auch 200.0000 Aale für die Lippe heißen.
Erwartet werden auch zahlreiche Ehrengäste wie Marc Herter (Oberbürgermeister der Stadt Hamm), Torsten Cremer (Vorstandvorsitzender der Sparkasse Hamm), Liana Weismüller (Vorstand Emschergenossenschaft/Lippeverband) sowie Mitarbeitende des Umwelt- und Landwirtschaftsministeriums und des Umweltamtes der Stadt Hamm.

Die Lippe ist mit ihren Zuflüssen ein wichtiger und natürlicher Aallebensraum. Wegen ihrer guten Gewässerstrukturen, der Wasserqualität und der geringen Anzahl an Querbauwerken und Wasserkraftanlagen wird sie in weiten Teilen als Aalvorranggewässer im Wanderfischprogramm NRW gelistet. Die Lippe ist Teil der Aalbesatzkulisse des Landes NRW.

Zur Situation des Europäischen Aals

Der Aal hat es heutzutage nicht leicht. Der Bestand des Europäischen Aals (Anguilla anguilla) ist in den letzten 200 Jahren im Zuge der Industrialisierung stark rückläufig. Als Wanderfisch, der sich in der Sargassosee im Westatlantik fortpflanzt und als winzige Larve in Meeresströmungen den Atlantik überquert, steht er am Ende der ersten Etappe seiner Reise vor seiner größten Herausforderung: dem Eintritt in die europäischen Binnengewässer. Neben vielen Fressfeinden wie Raubfischen und Seevögeln sind es vor allem vom Menschen errichtete Hindernisse, die die kleinen Aale vor häufig kaum überwindbare Probleme stellen.

Seit über 100 Jahren gibt es deshalb in Deutschland und anderen europäischen Ländern die Tradition des Besatzes geeigneter Binnengewässer mit Jungaalen; entweder direkt mit Glasaalen, die vor allem vor der französischen Küste gefischt werden, oder mit „vorgestreckten“ Aalen, die nach dem Fang als Glasaal eine gewisse Zeit in einer Aalfarm großgezogen werden. Ist der Aal in unsere Gewässer eingesetzt worden, lebt er dort zwischen 10 und 15 Jahre und entwickelt sich vom Jungaal zum Gelbaal und schließlich zum Blankaal, bevor er sich wieder auf den gefährlichen Weg zurück in sein Laichgebiet macht. In dieser Zeit wird er durch natürliche Prädatoren wie Kormorane und Raubfische dezimiert, aber auch Faktoren wie Krankheiten und der Fang durch die Angel- und Berufsfischerei wirken sich negativ aus. Trotzdem spielen gerade die Angel- und Berufsfischer bei der Bestandserhaltung des Aales eine ganz wichtige Rolle, da sie es sind, die zu einem erheblichen Teil die Aal-Besatzmaßnahmen finanzieren und vor allem auch durchführen.

Auch auf seinem Weg zurück ins Meer, wo er dann als Blankaal den weiten Weg in die Sargassosee antritt, steht der Aal vor der Herausforderung, verschiedene Hindernisse wie Deiche, Schleusen und Wasserkraftwerke zu passieren. Gerade hier sind Verluste besonders bedauerlich, da jedes erwachsene Aalweibchen theoretisch über 1 Mio. Eier in sich tragen kann. Dies konnte man in diesem Frühjahr vor allem am Rheinufer, an dem tausende tote, verletzte Aale angespült wurden, beobachten. Insbesondere vor diesem Hintergrund ist eine Aktion wie an der Lippe ein Versuch, menschengemachte Verluste in Teilen auszugleichen.

   

Der Landesfischereiverband Westfalen und Lippe e.V. kümmert sich um die Belange der Angelfischerei, die Gewässerökologie und den Fischartenschutz. Dem Verband sind ca. 500 Angelvereine mit etwa 72.000 Mitgliedern angeschlossen. Als Inhaber der Fischereirechte an weiten Teilen der Lippe zwischen Hamm und Wesel ist der Verband verantwortlich für die Erhaltung eines gesunden, gewässertypischer Fischbestandes, zu dem auch der Aal als wichtiger Teil des natürlichen Artenspektrums zählt.

Die Initiative zur Förderung des Europäischen Aals e.V. (IFEA) ist ein gemeinnütziger Verein, der im Jahr 2009 gegründet wurde. Vereinsmitglieder sind die meist kleinen und mittelständischen Unternehmen der Aalwirtschaft und Fischereiverbände, aber auch Angelvereine, die den Aalbestand wiederaufbauen wollen. Neben den Beiträgen derjenigen, die vom Aal leben, finanziert sich die IFEA auch durch Beiträge von Konsumenten, die gerne Aal essen und die in den ESF, den Eel Stewardship Fund, einzahlen. Die IFEA koordiniert und unterstützt Maßnahmen, die zur Wiederauffüllung des europäischen Aalbestands beitragen, ganz besonders Besatzmaßnahmen.

Der LFV Westfalen und Lippe e.V. und die Aal-Initiative wenden sich gegen ein Fang- und Verkaufsverbot, wie es von anderen Seiten gefordert wird. So ein Verbot löst nicht die größten Probleme des Aals, nämlich die Zu- und Abwanderung in Binnengewässern; stattdessen würde es wohl dazu führen, dass der Aal zukünftig aus vielen Gewässern gänzlich verschwinden würde und wichtige Kenntnisse und Informationen, die Fischer und Angler beisteuern, verloren gehen.

 



Kontakt: 
Landesfischereiverband Westfalen und Lippe e.V.               info@lfv-westfalen.de

Ronald Menzel, Vorsitzender IFEA                                                menzel@aal-initiative.org

Alexander Wever, Kommunikation IFEA                                    info@aw-fisch.de

 

www.aal-initiative.org                www.esf.international           www.sustainableeelgroup.com