100.000 Aale für die Ems
Öffentlicher Besatztermin am 29.09.2026 (10:00 Uhr) in Warendorf
(Treffpunkt: Parkplatz Lohwallfestplatz, Milter Str. 13, 48231 Warendorf)
Der Landesfischereiverband Westfalen und Lippe e.V. wird am Dienstag, den 29.09.2026 (10:00 Uhr), eine Aalbesatzaktion in der Ems in Warendorf durchführen. Unterstützt wird die Aktion durch die Initiative zur Förderung des Europäischen Aals e.V. (IFEA – ESF), der Volksbank Warendorf, den Kreisfischereiverein Warendorf sowie die Besatzgemeinschaft Ems, bestehend aus mehreren Angelvereinen der Region, die sich mit großzügigen Spenden am Kauf der Aale beteiligen und einen so großen Besatz erst ermöglichen. Der Aalhof-Götting beteiligt sich mit 20 kg Besatzaalen an der Aktion. Wir freuen uns sehr über die Unterstützung von Peter Horstmann, dem Bürgermeister der Stadt Warendorf. Beim Besatz behilflich sind Schüler*innen einer 10. Klasse der Bischöflichen Realschule Warendorf.
In den letzten Jahren hat der Landesfischereiverband Westfalen und Lippe e.V. sehr erfolgreich mehrere Aalbesatzaktionen in der Lippe bei Hamm durchgeführt, bei denen bereits mehr als 400.000 Aale in die Lippe entlassen wurden. Diese erfolgreiche Aktion möchten wir nun auf die Ems ausweiten. Die Besatzaktion ist ein weiterer Beitrag im Rahmen der Schutzbestrebungen der Europäischen Aalverordnung zur Wiederauffüllung der Aalbestände. Insgesamt sollen am 29.09.2026 ca. 18.000 junge Aale in die Ems ausgebracht werden.
Zur Situation des Europäischen Aals
Der Aal hat es heutzutage nicht leicht. Der Bestand des Europäischen Aals (Anguilla anguilla) ist in den letzten 200 Jahren im Zuge der Industrialisierung stark rückläufig. Als Wanderfisch, der sich in der Sargassosee im Westatlantik fortpflanzt und als winzige Larve in Meeresströmungen den Atlantik überquert, steht er am Ende der ersten Etappe seiner Reise vor seiner größten Herausforderung: dem Eintritt in die europäischen Binnengewässer. Neben vielen Fressfeinden wie Raubfischen und Seevögeln sind es vor allem vom Menschen errichtete Hindernisse, die die kleinen Aale häufig vor unüberwindbare Probleme stellen.
Seit über 100 Jahren gibt es deshalb in Deutschland und anderen europäischen Ländern die Tradition des Besatzes geeigneter Binnengewässer mit Jungaalen; entweder direkt mit Glasaalen, die vor allem vor der französischen Küste gefischt werden, oder mit „vorgestreckten“ Aalen, die nach dem Fang als Glasaal eine gewisse Zeit in einer Aalfarm großgezogen werden.
Ist der Aal in unsere Gewässer eingesetzt worden, lebt er dort zwischen 10 und 15 Jahre und entwickelt sich vom Jungaal zum Gelbaal und schließlich zum Blankaal, bevor er sich wieder auf den gefährlichen Weg zurück in sein Laichgebiet macht. In dieser Zeit wird er durch natürliche Prädatoren wie Kormorane und Raubfische dezimiert, aber auch Faktoren wie Krankheiten und anthropogene Umwelteinflüsse wirken sich negativ aus. Die Entnahme von Aalen durch Angler und Berufsfischer ist ebenfalls ein Faktor, welchem jedoch eine untergeordnete Rolle zukommt, da gerade die Angel- und Berufsfischer bei der Bestandserhaltung des Aales mitwirken, indem sie einen erheblichen Teil der Aalbesatzmaßnahmen finanzieren und durchführen.
Auch auf seinem Weg zurück ins Meer, wo er dann als Blankaal den weiten Weg in die Sargassosee antritt, steht der Aal vor der Herausforderung, verschiedene Hindernisse wie Deiche, Schleusen und Wasserkraftwerke zu passieren, was zu zahlreichen Verlusten führt Gerade hier sind Verluste besonders bedauerlich, da jedes erwachsene Aalweibchen theoretisch über 1 Mio. Eier in sich tragen kann. Dies konnte man in diesem Frühjahr vor allem am Rheinufer, an dem tausende tote, verletzte Aale angespült wurden, beobachten. Insbesondere vor diesem Hintergrund ist eine Aktion wie diese ein Versuch, menschengemachte Verluste in Teilen auszugleichen.

Der Landesfischereiverband Westfalen und Lippe e.V. kümmert sich um die Belange der Angelfischerei, die Gewässerökologie und den Fischartenschutz. Dem Verband sind ca. 500 Angelvereine mit etwa 72.000 Mitgliedern angeschlossen. Als Inhaber der Fischereirechte an vielen Gewässern in NRW ist der Verband verantwortlich für die Erhaltung eines gesunden, gewässertypischer Fischbestandes, zu dem auch der Aal als wichtiger Teil des natürlichen Artenspektrums zählt.
Die Initiative zur Förderung des Europäischen Aals e.V. (IFEA) ist ein gemeinnütziger Verein, der im Jahr 2009 gegründet wurde. Vereinsmitglieder sind die meist kleinen und mittelständischen Unternehmen der Aalwirtschaft und Fischereiverbände, aber auch Angelvereine, die den Aalbestand wiederaufbauen wollen. Neben den Beiträgen derjenigen, die vom Aal leben, finanziert sich die IFEA auch durch Beiträge von Konsumenten, die gerne Aal essen und die in den ESF, den Eel Stewardship Fund, einzahlen. Die IFEA koordiniert und unterstützt Maßnahmen, die zur Wiederauffüllung des europäischen Aalbestands beitragen, ganz besonders Besatzmaßnahmen.
Der LFV Westfalen und Lippe e.V. und die Aal-Initiative wenden sich gegen ein Fang- und Verkaufsverbot, wie es von anderen Seiten gefordert wird. So ein Verbot löst nicht die größten Probleme des Aals, nämlich die Zu- und Abwanderung in Binnengewässern; stattdessen würde es wohl dazu führen, dass der Aal zukünftig aus vielen Gewässern gänzlich verschwinden würde und wichtige Kenntnisse und Informationen, die Fischer und Angler beisteuern, verloren gehen.
Kontakt:
Landesfischereiverband Westfalen und Lippe e.V. info@lfv-westfalen.de
Ronald Menzel, Vorsitzender IFEA menzel@aal-initiative.org
Alexander Wever, Kommunikation IFEA info@aw-fisch.de
www.aal-initiative.org www.esf.international www.sustainableeelgroup.com
