WN-Redakteurin Gabriele Hillmoth im Interview mit Horst Kröber und Dr. Michael Möhlenkamp. (WN vom 23.08.2010)
Dr. Michael Möhlenkamp kümmert sich als Geschäftsführer um den Landesverband Westfalen und Lippe. Horst Kröber (kl. Foto) ist der Vorsitzende von 59 432 Anglern.
Landesfischereiverband Westfalen und Lippe kauft eigenes Gebäude
Münster. Die Angler in Münster haben seit einem Jahr einen „dicken Fisch“ an der Angel. Der Landesfischerei-verband Westfalen und Lippe hat ein ehemaliges Telekomgebäude an der Sprakeler Straße 409 in Kinderhaus gekauft und zieht seitdem von dort die Fäden. Vorsitzender des Verbandes ist Horst Kröber (54). Er angelt seit seinem zehnten Lebensjahr und schwärmt als Justizbeamter bei der Staatsanwaltschaft vom Ausgleich zum Job.
Die Geschäftsführung des Landesverbandes hat Dr. Michael Möhlenkamp (46) übernommen. Auch für Möhlenkamp ist das Angeln eine Leidenschaft zum Luftholen. Über Fische, Umweltschutz, Hitze und Spaß an der Fischerei sprach WN-Redakteurin Gabriele Hillmoth mit Horst Kröber und Dr. Michael Möhlenkamp.
Warum haben Sie in ein eigenes Gebäude investiert?
Kröber: Im Oktober haben wir hier unsere Arbeit aufgenommen. Zuvor hatten wir auf dem Gelände der Landwirtschaftskammer Räume angemietet. Die Mietverträge liefen aus.
Möhlenkamp: Das Gebäude am Nevinghoff gehörte dem Milchkontrollverband, der es an die Landwirtschaftskammer verkauft hat. Und die hatte andere Pläne. Uns wurden zwar Räume angeboten, aber die Unwägbarkeiten, was den Verbleib der Landwirtschaftskammer angeht, haben uns veranlasst, ein eigenes Gebäude zu suchen.
Wie viele Mitglieder hat der Landesfischereiverband?
Kröber: Von uns werden 59 432 Mitglieder, aufgeteilt auf 462 Vereine, betreut.
Sind Angler Einzelgänger?
Kröber: Das ist ein Vorurteil. Es gibt viele, die mit Freunden zum Angeln gehen. Angler schätzen die Geselligkeit. Und es macht auch mehr Spaß, schöne Dinge gemeinsam zu erleben.
Dürfen sich Angler unterhalten, ohne dass die Fische wegschwimmen?
Kröber: Auch das ist ein Vorurteil. Früher hat man immer gesagt, bitte nicht ansprechen, die Fische schwimmen weg. Dabei werden die Fische eher verscheucht, wenn man am Gewässer entlangläuft und Erschütterungen verursacht.
Sprechen Sie von Sportanglern oder von Anglern?
Möhlenkamp: Der Fisch ist kein Sportgerät. Beim Angeln steht auch nicht die körperliche Ertüchtigung im Vordergrund. Das Vergnügen beim Fischen besteht in Erholung, Stressabbau, Naturgenuss und -erlebnis. Wir sehen den Fisch als Nahrungsmittel, der frisch auf den Tisch kommt. Das sind die wesentlichen Beweggründer zum Angeln.
Essen Sie gerne Fisch?
Möhlenkamp: Natürlich.
Kröber: Aber sicher, aus der Pfanne gebraten und geräuchert.
Seit wann existiert der Verband, und warum wurde er gegründet?
Kröber: Seit 1886. Die Vereine haben sich zusammengeschlossen, um sich besser positionieren und ihre Interessen besser durchsetzen zu können.
Ein Beispiel?
Kröber: In vielen Flüssen wird durch Wasserkraft elektrische Energie gewonnen. Der Verband kümmert sich darum, dass die Fischfauna in den Gewässern nicht durch die Wasserkraft geschädigt wird, dass die Fische nicht durch Turbinen getötet werden.
Möhlenkamp: Damals, bei der Gründung des Vereins, dienten viele Fließgewässer als Vorfluter für industrielle Abwässer. Fischbestände brachen zusammen, Fischarten starben aus. Inzwischen hat die Verschmutzung der Gewässer insgesamt abgenommen. Die Flüsse sind sauberer geworden, trotzdem gibt es noch einige Stoffe, die man weder sieht noch riecht, die aber gefährlich sind. Dabei handelt es sich zum Beispiel um hormonell wirksame Substanzen wie Antibiotika, die über medizinische Abwässer oder auch Hausabwässer in die Gewässer gelangen und dort zu Geschlechtsveränderungen bei Fischen oder anderen Wasserorganismen führen können.
Ist Ihr Verband bundesweit der größte Zusammenschluss?
Möhlenkamp: Bundesweit nicht, aber in NRW. Insgesamt gibt es in diesem Land 120 000 organisierte Angler und drei Verbände. NRW hat nach Bayern die meisten Mitglieder.
Leiden Sie auch unter einem Mitgliederschwund?
Kröber: Unsere Mitgliederzahlen sind konstant bis leicht rückläufig. Mein Heimatverein, der Verein für Fischerei und Gewässerschutz Frühauf Münster 1922 e.V., kann sogar steigende Mitgliederzahlen vermelden. Er ist mit 1240 Mitgliedern der größte Angelverein in Münster.
Wird die Leidenschaft fürs Angeln vererbt?
Möhlenkamp: Viele lernen das Fischen tatsächlich von ihren Vätern und Großvätern.
Wo darf geangelt werden?
Kröber: Die Vereine haben viele Gewässer selbst gepachtet. Der Verband hat rund zehn Stillgewässer im Münsterland und zum Teil in Ostwestfalen gepachtet, insgesamt 1600 Hektar Gewässer. Dazu gehören auch das Kanalnetz und die Lippe. Nur unsere Verbandsmitglieder können mit einem Jahreserlaubnisschein zum Preis von 20 Euro alle genannten Gewässer befischen.
Wie viele Fischarten gibt es in unserer Region?
Kröber: 50, bundesweit gehen wir von 85 Fischarten aus. Der Zander und der Hecht sind bei uns sehr gut vertreten, aber noch besser der Barsch und das Rotauge.
Ihr Tipp, wie die Fische am besten ins Netz gehen?
Kröber: Der Köder ist eine kleine Wissenschaft für sich. Kunstköder bilden kleine Fische nach und sind für Raubfische geeignet. Friedfische bevorzugen dagegen pflanzliche Köder wie Mais oder Teig.
Darf jeder Angeln gehen?
Möhlenkamp: Wer in NRW angeln möchte, muss Inhaber eines gültigen Fischereischeines sein. Kinder und Jugendliche von zehn bis 15 Jahren können ohne Prüfung einen Jugendfischereischein bekommen, dann dürfen Sie in Begleitung eines Fischereischeininhabers losziehen.
Wie sehen die Zukunftspläne des Verbandes aus?
Kröber: Momentan beschäftigen wir uns mit den Schäden, die Kormorane verursachen. Wussten Sie, dass ein Kormoran einen Radius von 50 Kilometern am Tag hat und mindestens ein Pfund Fisch pro Tag frisst?
Möhlenkamp: Wir möchten den Service für unsere Vereine ausbauen und den Mitgliedern eine kompetente Beratungsstelle für alle fischereilichen Fragen zur Verfügung stellen. Dazu gehört auch ein professionelles Team, über das der Verband verfügt.
